Ein neuer Blog im Jahr 2019?

Wasn los hier?

Ganz recht! Nach einem gefühlten Jahrhundert Social Media Lötzinn auf Wastebook und Instagram habe ich mich dazu entschlossen, nen eigenen Blog zu hosten und das aus zwei für mich relevanten Gründen: Erstens geht mir seit ner geraumen Zeit sowohl der (bezahlte) Aufmerksamkeitswahnsinn auf Wastebook als auch die moderne Variante der user generated YellowPress / Promoschleuder „Insta“ gehörig auf den Zeiger. Ich habe tatsächlich nur noch wenig Lust, tolle Hochglanzbilder bzw. Bilder aus meinem Privatleben, etc… bla zu veröffentlichen und damit auf Like- bzw. Aufmerksamkeitssafari u.a. für meine geschriebenen Texte zu gehen. Es ist höchste Zeit, sich von dem Muff der eigenen Filterblase zumindest ein wenig zu verabschieden, denn dort herrscht nicht erst seit gestern ein scheinbar rasender Stillstand. Immer und immer wieder wurde durch die tägliche Arbeit auf Wastebook und Instagram klar, dass der leider altbekannte, emotionalisierte Blick (auf das eigene Schaffen) relevanter ist, als Inhalte bspw. in Form einer halbwegs vernünftig und unterhaltsam formulierten Plattenbesprechung.  

Und damit wären wir dann schon beim zweiten Grund, der Großwetterlage des analogen und digitalen Musikjournalismus. Zu dieser Thematik wurde in diesem Internetz tatsächlich schon die ein oder andere mehr oder weniger vernünftige Zeile verfasst. Z.B. hier (okay) oder hier (weniger okay). Ich war damals tatsächlich ein Stammgast am Bahnhofskiosk und habe mir sehr gerne z.B. die De:Bug oder die Groove gekauft, auch wenn bei beiden Heften die fiese Verflechtung von Musikjournalismus und Musikindustrie allzu deutlich wurde. Als interessierter Einsteiger gab es einiges zu lesen, ich konnte mich später an den Inhalten (z.B. Plattenrezensionen oder die Werbe… erm Coverstory pünktlich zum Release) abarbeiten und hatte einen Überblick über die neuesten Modeerscheinungen bzw. über den Zeitgeist der elektronischen Musikszenerie. Abgesehen davon fand ich Hotze hin und wieder ganz witzig und die Lektüre von Anton Walds Neologismus Gaga Feuerwerk „A Better Tomorrow“ auf der letzten Seite einer De:Bug Ausgabe waren Sternstunden des Toilettengangs. Zur Zeit bleibt im Printbereich eigentlich nur noch das großartige Wire Magazin, das man im verschlafenen Südwesten jedoch nur auf Bestellung bekommt. Damals… Nostalgie.

Status Quo

Groove und De:Bug haben mittlerweile das Zeitliche gesegnet und sind ins Internet abgewandert. Auf der De:Bug Seite passiert seit Ende Mai 2018 nüschd mehr und die Groove versteckt einen Teil ihres Angebots hinter einem kostenpflichtigen Onlineabo. Die Inhalte erscheinen mir, bis auf wenige Ausnahmen, nur noch wenig relevant. Es kommt mir so vor, als wäre Groove+ unterm Strich der Treffpunkt für den Mainstream der Minderheiten. Schade eigentlich, denn es wäre gerade jetzt, vor dem Hintergrund der Informationsflut auf allen Kanälen, wichtiger denn je einen offline oder online Selector (ich sage bewusst nicht Gatekeeper) in der Hand zu halten, der polarisiert, den Überfluss an Informationen filtert, relevante Platten bespricht oder bescheidene Platten angemessen zerreißt. So ein Selector könnte oder sollte darüber hinaus die (elektronische) Musikszenerie vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verhältnisse aus einer kritischen Perspektive betrachten und vielleicht auch die ein oder andere Kontroverse anzetteln, ohne direkt den Eindruck zu erwecken, am schnöden Zeitgeist erkrankt zu sein. Und genau das gab es tatsächlich im weltweiten Gewebe. Damals… schon wieder!

Stilprägende Blogs, wie z.B. mnml ssgs oder Little White Earbuds die sich mit viel Herz Hirn und Muskel auch mal aus dem Fenster gelehnt und ihren LeserInnen nicht nur das übliche PR-Promo Phrasengedresche aufgetischt haben. Jedenfalls hab ich den Terre Talks Dreiteiler auf Mnml SSGS wesentlich lieber gelesen, als die Vinyl Fetisch Homestory von der Insel. Und glücklicherweise gibt es solche Selektoren auch heute noch, wenngleich in der Onlinewelt, wie sollte es auch anders sein, die Information zum Monopol tendiert, genauer gesagt in Richtung eines ´neuen´ Industriestandards im Bravo Speckmantel called Resident Advisor. Tolle Weblogs sind mittlerweile die Ausnahme und lassen sich an einer Hand sowie an einem Finger abzählen. frohfroh, drift ashore, novafuture, Robyn Thinks, Das Filter oder wenn man den Rahmen etwas weiter dehnt vielleicht noch das kaput mag. Danach wirds eng und auch diese Blogs haben entweder einen weiter gefassten thematischen Fokus oder konzentrieren sich auf elektronische Musik, die ich zwar grundstabil finde, die aber nicht zwingend in meinem Plattenregal bzw. auf meiner Festplatte landet.

So what?!

Insofern könnte Opnsourced ein ergänzender Selector für die bereits bestehenden Angebote sowie eine Infostelle für den verschlafenen westlichen Südwesten sein. Für den ein oder anderen bornierten Großstädter mag das vielleicht absurd klingen, aber es passieren hier tatsächlich manchmal sehr interessante Dinge und in der ländlichen Region leben eben nicht nur unter sich weilende Dorfatzen, denen die Scheiben aus dem Fenster ihres zu Tode aufgemotzten Golf II fliegen, weil der Sub im Kofferraum die gesamte Karosserie mit Hackebeats deformiert. Guten Tag!

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