Sunday Sounds: Mark Vernon – Ribbons Of Rust (Flaming Pines)

Wenn es so etwas wie einen Dokumentarfilmer unter den MusikproduzentInnen gäbe, dann würde diese Beschreibung sicherlich auf Mark Vernon zutreffen. Mit Hilfe von Field Recordings, Found Footage und der eigenen DAW schneidet der in Glasgow lebende Klangkünstler u.a. auditve Eindrücke von entlegenen Orten zusammen. Im Zentrum der aktuellen LP steht ein verlassener Ferienpark an der Ostküste der Insel Koh Tao in Thailand. In der stillgelegten Anlage, die nur über einen kleinen Fußweg erreicht werden kann, stehen die Überreste menschlichen Treibens (mit Graffiti bemalte Betonwohnblöcke, halb zerstörte Ferienhäuser, eingeworfene Fenster, Kinderspielzeug, Notizblätter, Kassetten und sonstige Artefakte vergangener Tage) in einem starken Kontrast zu der idyllischen Umgebung.

Behutsam und ohne billigen Ethnokitsch verarbeitet Vernon sowohl seine subjektiven Eindrücke als auch das von ihm eingefangene Tonmaterial. Analog zur dokumentarischen Tradition des Cinema Verité wird in den Tracks immer wieder der Aufnahme und Bearbeitungsprozess hörbar gemacht. Bruchstückhafte, noisig bzw. soundscapeartige Passagen werden stark verfremdeter und leiernder Popmusique bzw. Naturaufnahmen gegenübergestellt und damit das Unterfangen nicht so bierernst rüberkommt, wurde auf der Kassette die ein oder andere absurde Klangcollage untergebracht.

Das Resultat ist unterm Strich, wie es sich für solide DokumentarfilmemacherInnen gehört, subjektiv gefärbt und kommt mit einer vielleicht für Mark Vernon charakteristischen Ästhetik daher, die eine ganz sonderbare Melancholie erzeugt, die sich nicht, wie bei der Serie Chernobyl und dem dazugehörigen Soundtrack, im dunkelsten Abgrund der Zivilisation suhlt, sondern genau dort das Licht anknipst, um vielleicht den Weg aus dem ganzen Morast zu beschreiten. Who knows? Only The Shell Can Tell!

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